Zur Heiligsten Dreifaltigkeit

Kath. Kirchengemeinde Hirschlanden
mit Heimerdingen und Schöckingen

Schwabstr. 15
71254 Ditzingen-Hirschlanden

Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit Hand in Hand

Die Enzyklika Laudato Si vom Juni 2015 provozierte eine weltweite Debatte über den Zusammenhang von Armut und ökologischer Frage angesichts des von Papst Franziskus diagnostizierten suizidalen Kurses der Menschheit in einer krisengeschüttelten Zeit.

Die zweite Enzyklika von Franziskus trägtden Untertitel „Über die Sorge für das gemeinsame Haus“ und umfasst rund 220 Seiten. Zum ersten Mal stellt ein Papst damit ökologische Fragen in Mittelpunkt eines
so verbindlichen päpstlichen Dokuments. Franziskus wendet sich dabei zugleich an „alle Menschen guten Willens“. Er stellt seine Enzyklika in die Tradition der kirchlich-lehramtlichen Soziallehre, die mit ihr um die ökologische Dimension erweitert wird.

Nach einer kurzen Übersicht über die Gliederung des Schreibens gibt er eine Reihe von Leitlinien an, die es durchziehen:

  • Die enge Beziehung zwischen den Armen und der Anfälligkeit des Planeten,
  • die Überzeugung, dass in der Welt alles miteinander verbunden ist,
  • die Kritik am neuen Machtmodell (Paradigma) und den Formen der Macht, die aus der Technik (Technologie) abgeleitet sind,
  • die Einladung, nach einem anderen Verständnis von Wirtschaft und Fortschritt zu suchen,
  • der Eigenwert eines jeden Geschöpfes,
  • der menschliche Sinn der Ökologie,
  • die Notwendigkeit aufrichtiger und ehrlicher Debatten,
  • die schwere Verantwortung der internationalen und lokalen Politik
  • die Wegwerfkultur und der Vorschlag eines neuen Lebensstils.

Die Umwelt-Enzyklika von Papst Franziskus wird als wichtige Weichenstellung seines Pontifikats gesehen mit der Kernaussage: der Kampf gegen weltweite Armut und Umweltzerstörung gehören untrennbar zusammen.


Kernbotschaft: Armuts- und Umweltfragen gehören zusammen Milliarden Menschen leiden Not, die Erde und die natürlichen Lebensbedingungen für die kommenden Generationen sind der Zerstörung preisgegeben: „So beeinträchtigt zum Beispiel die Erschöpfung des Fischbestands speziell diejenigen, die vom handwerklichen Fischfang leben und nichts besitzen, um ihn zu ersetzen; die Verschmutzung des Wassers trifft besonders die Ärmsten, die keine Möglichkeit haben, abgefülltes Wasser zu kaufen, und der Anstieg des Meeresspiegels geht hauptsächlich die verarmte Küstenbevölkerung an, die nichts haben,
wohin sie umziehen können. Verursacht wird dies durch unsere Produktionsweisen, die Wirtschafts- und Finanzbeziehungen, durch die Funktionsweisen der Politik und durch das übersteigerte Konsumverhalten
von immer mehr Menschen.

Deswegen ist es Aufgabe der Kirche(n) wie der gesamten Menschheit, Armut und Umweltzerstörung als Zusammenhang zu denken und die Ursachen endlich entschieden anzugehen. Die Überwindung der Armut in all ihren Formen und der Schutz der Umwelt sind untrennbar verbunden. Dabei sind es vor allem wir, die Menschen in den industrialisierten Ländern, und die Wohlhabenden dieser Welt, die weit über dem Niveau leben, das die Erde aushält. In diesem Sinne ist Laudato si’ eine Sozial- und Umweltenzyklika.

Der Papst ruft zur ökologischen Umkehr auf und mit kleinen Veränderungen hier und da ist es für den Papst nicht mehr getan. Er schlägt eine grundsätzliche Abkehr von gescheiterten Entwicklungs- und Wirschaftsmodellen und eine neue Definition von Fortschritt vor. Dabei hat der Papst keine letzten Wahrheiten zur Ökologie zu verkündigen, sondern ruft aus Sorge um die Hungernden und die Umwelt die
Menschen zum Umdenken und Mittun auf.

So ist das Dokument ein Angebot zum Dialog. Es brauche „ein Gespräch über die Art und Weise, wie wir die Zukunft unseres Planeten gestalten“ Nicht mehr eine Religion, ein Staat oder eine internationale
Organisation kann die Probleme der Welt lösen. Es geht nur in der Kooperation aller. Der Papst richtet sich an jeden Menschen guten Willens, unabhängig von Religion und Weltanschauung. In einer Zeit, in der in Europa die Zusammenarbeit immer schwieriger wird und weltweit mehr und mehr Staaten auseinander fallen, ist das ein ambitioniertes Anliegen. Es basiert auf dem Vertrauen in die Kraft des menschlichen Geistes, nicht blind den vorgegebenen Strukturen oder Interessen anderer ausgeliefert zu sein. Dabei ist dem Papst bewusst, dass die Widerstände in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft groß sind. Ebenso sei es die weitverbreitete Gleichgültigkeit vieler einzelner, die zur aktuellen Krisensituation führe. In all dem ist die Position des Papstes parteiisch. Er nimmt die globalen Herausforderungen aus der Perspektive der „Armen“ wahr: Er hört den Schrei der Armen und den Schrei der verletzten Erde.

Ihren Namen bekommt die Enzyklika von einem Gebet des heiligen Franz von Assisi „Gepriesen seist du, Herr“, der im so genannten Sonnengesang daran erinnert, dass die Erde, unser gemeinsames Haus, „wie eine Schwester ist, mit der wir das Leben teilen, und wie eine schöne Mutter, die uns in ihre Arme schließt“.

Wir selber sind Erde „unser eigener Körper ist aus den Elementen des Planeten gebildet; seine Luft ist es, die uns den Atem gibt, und sein Wasser belebt und erquickt uns“. Papst Franziskus lädt dazu ein, zuzuhören und sich antreiben zu lassen – jeder und jede, Familien, Gemeinden, Nationen und die internationale Gemeinschaft – zu einer „ökologischen Umkehr“, wie es der heilige Johannes Paul II. ausgedrückt hat, also zu einem Kurswechsel und zur Annahme der Verantwortung für das gemeinsame Haus. Zugleich erkennt Papst Franziskus aber auch an, dass „eine steigende Sensibilität für die Umwelt und die Pflege der Natur zu beobachten [ist], und es wächst eine ehrliche, schmerzliche Besorgnis um das, was mit unserem Planeten geschieht“.

Harald Geisel